Archiv der Kategorie: Klassische Gitarre

iPhone Apps für Gitarristen

Auf dem iPhone kann man nicht nur Musikstücke abspielen sondern auch Gitarre spielen, Effektgeräte emulieren oder das iPhone als Handwerkszeug für Musiker nutzen.

Handwerkszeug
Als Handwerkszeug braucht man zuerst ein Stimmgerät (möglichst chromatisch) und ein Metronom. Hilfreich sind auch Akkordtabellen und ein elektronischer Schlagzeuger – damit die Gitarristen im Takt spielen lernen. Mit dem Guitar Toolkit (€ 7.99 ) werden diese Wünsche erfüllt (der Schlagzeuger kostet nochml extra!). Das Metronom hat eine gute optische Anzeige falls das Klacken des Metronoms stört. Man kann auch kompexe Rythmen einstellen (auch Zwiefache oder aktuell einen griechischen Blues den Rembetiko  7/8 Takt).

iPhone Gitarren Begleitung
Natürlich kann man seine eigene Begleitung von Songs auf das eigene iPhone aufspielen und dann zur virtuellen Gitarre spielen. Das kann man auch in einem sozialen Netzwerk machen und seine Songs und Aufnahmen mit anderen teilen z.B. mit Pocket Guitar Songbook (free APP) das die Liedtexte zeigt und die zugehörige Begleitung abspielt. Profis können ihre Stücke im Store verkaufen. Damit können Gitarristen ihre Stücke ähnlich kaufen wie die Alleinunterhalter auf der Orgel (die oft gar nicht mehr spielen können!).

iPhone Gitarren Emulatoren
Mit Pocket Guitar (o.99 $) kann man einfache Stücke spielen, Akkorde ausprobieren oder es mal richtig krachen lassen usw

GuitarStudio ist für die Leute geeignet, die mit der linken Hand und den Akkorden Probleme haben. Demo: Stairway to Heaven 

iPlay ClassicalGuitar klingt ein bischen wie eine Klassische Gitarre hat aber eine besondere Benutzerschnittstelle – eher etwas für Laien aber nett zum experimentieren.

Guitar ToolKit mit chromatischem Stimmgerät, Metronom, Akkord- und Griffbibliothek

Zubehör
Zum Abspielen von Musik vom iPhone und zum Proben im Ensemble empfiehlt sich ein Mini Verstärker (mit Batterie) z.B. der Marshall MS-2, den man auch als tragbaren Gitarren(klein)verstärker nutzen kann. Zusätzlich braucht man ein Kabel mit Miniklinken (wie beim Kopfhörer) und einen Stereo Klinkenadapter ( von Miniklinke zum normalen Klinkenstecker) für den Miniverstärker.

Alte Gitarren- und Lautenmusik aus Tschechien

Pavel Steidl ist inzwischen in der klassischen Gitarrenszene bestens bekannt. Es gibt aber in Tschechien eine lange Tradition speziell in der Lautenmusik. Ein bemerkenswertes Duo bilden Anton Birula (Laute/Theorbe)) und Anna Kowalska (Barock Gitarre). Höhrenswert Alessandro Piccinini, Sonate für Barock Gitarre und Theorbe  und sehenswert:  Luteduo -  Anna Kowalska & Anton Birula Da kann man sehr schön die Schlagtechniken auf der Barock Gitarre sehen (The Rawlins- schönes Instrument von Antonio Stradivari, Cremona 1700).

Bei der Editio Bärenreiter Praha  findet man interessante Ausgaben z.B. Suite A-Dur von Ivan Jelinek (1683-1759), Editio Bärenreiter Praha H 7879, in einer sehr guten Ausgabe von Stanislav Jurica. Die Suite ist nicht allzu schwer und klingt sehr gut vergleichbar mit den Suiten von A. Brescianello.

PS Auf dem Weg von der Karlsbrücke zur Prager Burg findet man rechts das Haus des berühmten Lauten- und Geigenbauers Thomas Edlinger. Leicht zu erkennen am Wappen mit den drei Geigen über dem Giebel.

Seltsame Gitarren: Harfengitarre, Baryton

Neben der klassischen Laute gab es früher viele verschiedene Instrumente und Gitarren mit “freien” Bassaiten. Zu Goethes Zeiten waren z.B.Harfengitarren am Hof von Anna Amalie angesagt. Damit wollte man “griechisch” aussehen.

Heute sieht man die Harfengitarre (Harp Guitar Hörbeispiele) eher in der amerikanischen Folk Szene. Harfengitarren von  Weissgerber kann man im Musikinstrumentenmuseum von Markneukirchen bewundern. Bekannter sind die Anfang des 20. Jahrhunderts gesüpielten die Wiener (Schrammel) Bassgitarre und die Schwanenhalslaute (Gitarrenlaute) , die u.a. auch von Hermann Hauser angefertigt wurden..

Schwanenhalslaute mit 7 Basssaiten

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch viele Harfengitarre Solisten. Ein eher ungewöhnliches Instrument ist die Harfengitarre, die für den Gitarristen Ekard Lind gebaut wurde.

Ein äusserst kurioses Instrument ist das Baryton (YouTube Demo) – eine Kombination von Streichinstrument (Bass Viola) und mit dem Daumen gezupften Bässen. Das war das Lieblingsinstrument des Grafen Esterhazy und so musste Haydn über 150 Stücke für das Baryton schreiben.

Man kann das Baryton in Originalkompositionen bei den Haydn Festspielen am 11. September im Empiresaal des Esterhazy Schlosses in Eisenstadt hören. Im Trio Armonico Tributo Austria spielt Lorenz Duftschmid, Professor für Viola in Trossingen, das Baryton.

PS  Auf jeden Fall sollte man ein paar Flaschen Haydn Wein aus der Esterhazy Kellerei mit nach Hause nehmen.

Klassische Gitarre spielen im Stehen und Gehen

Man stelle sich mal ein Rock Konzert vor, bei dem alle Gitarristen brav auf Stühlen in der typischen Haltung der klassischen Gitarristen spielen. (Beim Flamenco macht das Sinn, da ja die Tänzer die Solisten sind!). Damit könnte man wohl keinen Hund hinter dem Lautsprecher hervorlocken. Auch bei klassischen Konzerten spielt der Solist meist im Stehen. Ein Geigensolo im Sitzen gespielt wäre weit weniger überzeugend, weil dann der Körper des Spielers viel mehr eingschränkt ist.  Zunehmend wird auch alte Musik, wie in Renaissance und Barock üblich, im Stehen gespielt. Meist gab es in Kirchen und Festsälen nicht genug Platz und auch nicht genug Stühle für die Musiker – nicht immer zu deren Vergnügen.  G.A. Brescianello, der Lautenist und Hofkapellmeister am Stuttgarter Hof war, beklagte sich in einem Brief an den Herzog, dass seine Musiker bei einem Fest acht Stunden stehen mussten!

Klassische Gitarristen, die im Stehen spielen, sieht man heute kaum. Bei modernen Gitarren fehlt meist der früher übliche Knopf am Korpus zum Befestigen eines Gurtes. Den bei Lauten üblichen Knopf zur Befestigung des Gurtes am Fuß des Halses findet man heute nur noch bei Folk Gitarren oder bei Sondermodellen z.B. des amerikanischen Gitarrenbauers  Kenny Hill – Stand Up Gitarre von Kenny Hill
Almer Imamovic spielt Antonio Lauro Waltz im Stehen.

Man erreicht aber auch eine recht gute Spielposition, wenn man den Gurt wie üblich am Kopf der Gitarre befestigt und in relativ steiler Haltung spielt, wie es in der Romantik üblich war.  Auch heute macht es Sinn, Gitarre im Stehen oder im Gehen zu spielen. Wer einmal eine Intrade oder ein anderes geradtaktiges Stück  im Gehen gespielt hat, wird bemerken, dass das Tempo und der Rhytmus plötzlich stimmen. Das kann speziell im Unterricht genutzt werden.

Viele Gitarristen haben oder bekommen im Alter durch die ungesunde Spielhaltung Problem mit dem Rücken. Hier hilft es schon, wenn man zwischen Sitzen und Stehen abwechselt. Bei schweren Schäden an der Wirbelsäule wird das Spielen in der klassischen Haltung  manchmal unmöglich. Schon Aguado machte Versuche mit einer auf dem Boden stehenden Gitarrenstütze mit der man auch im Stehen spielen konnte.
Aguado , Dionisio -  Tripedisono Stütze

Dionisio Aguado

Das Spielen im Gehen und Stehen ist eine interessante Alternative für Gitarre Ensembles z.B. Musikschulen. Für den Anfang kann man die Gitarre auch mit einem am Schalloch eingehängten Band umhängen. Rüstet man die Gitarren dann mit einem einfachen Tonabnehmer und einem batteriebetriebenen Miniverstärker (z.B. Marshall MS-2) aus, so kann man in größeren Sälen und sogar im Freien ohne großen Aufwand ähnlich wie die Blasmusiker spielen. Dadurch ergeben sich wesentlich mehr Möglichkeit zum Auftritt als wenn man einen geschlossen Raum mit vielen Stühlen für Spieler und Zuhörer braucht. Speziell Kindern und Jugendlichen wird das sicher Spaß machen, besonders wenn man bei einem Stück auch noch den Verzerrer am Lautsprecher einstellt.

Tipps für Gitarrenbau – worauf muss man bei einer Gitarre achten

Will man den Geheimnissen der Gitarre näher kommen, kann man dies mit dem Bau einer eigenen Gitarre versuchen. Manche Gitarrenbauer bieten hierfür sogar Kurse an. Für die meisten Gitarristen wird sich der Aufwand wohl nicht lohnen. Trotzdem ist es sehr hilfreich sich mal über den Bau einer Gitarre genauer zu informieren. Bei gitarrenbauen.de gibt es viele nützliche Tipps worauf man bei einer korrekt gebauten Gitarre achten sollte. Damit kann man Schwachstellen (z:b. Sattel, Steg usw) bei Gitarren erkennen und zum Teil selbst korrigieren oder korrigieren lassen. Auf alle Fälle erhöht die Beschäftigung mit dem Bau der Gitarre die Achtung vor den Handwerkern, die gute Gitarren bauen.

Geiger/Gitarristen in den Hoforchestern der Romantik

Paganini war wohl der bekannteste Geiger, der auch Gitarre spielte. Seine Große Sonate für Gitarre mit Begleitung einer Geige (Romanze) ist auch heute noch ein Prüfstein für moderne Gitarristen. Paganini wurde auf seinen Reisen meist von einem Gitarristen begleitet, der bei den damals üblichen vielen Zwischenstopps Paganini auf seinen Konzerten begleitete. Gute und gut gestimmte Klaviere gab es damals noch eher selten. Auch Carl Maria von Weber spielte Gitarre und hat viel Kammermusik mit Gitarre geschrieben. Moderne Orchester kommen heute in Schwierigkeiten wenn in seiner Oper Donna Diana zwei Gitarren im Duo spielen sollen.  (Bearbeitung für Gitarre Solo  in Japan gespielt )

Die Hofkapelle des Fürsten Conradin von Hohenzollern-Hechingen hätte mit der Besetzung des Donna Diana Duetts kein Probleme gehabt. Drei der Violinisten Anton, Hermann und Michael Lorch spielten zusätzlich auch Gitarre und werden auf der Besoldungsliste von 1830 auch als Gitarristen geführt. Der Cellist Jakob Oswald, ist zwar nicht als Gitarrist aufgeführt. Er spielte aber offensichtlich so gut, dass er in Stuttgart am 31. März 1829 in Stuttgart in Giuliani’s Konzert für Violine und Gitarre auftreten konnte. Auch Franz Schubert und sein Freund Vincenz Schuster (Cello, Gitarre, Arpeggione), für den er die Arpeggione Sonate komponierte, spielten sehr gut Gitarre.

Der Violinist Franz Fiala in der Hofkapelle von Domaueschingen bittet 1812 sogar um eine Gehaltszulage, da er jetzt neben der Violine auch Gitarre spielen könnte. Später Hat Franz Fiala sogar eine Klaviergitarre erfunden. Die Saiten wurden dabei nicht mit den Fingern sondern über eine kleine Klaviermechanik angeschlagen.

Die Gitarre wurde in der Romatik vor allem in der Kammermusik eingesetzt, die am Hof in Hechingen zweimal in der Woche angesetzt war. Man konnte damals ja kein Radio oder einen MP3 Player einschalten. Wenn man Musik wollte musste man sie schon selbst machen.

In der Romantik wurde auf kleineren Gitarren, Italienisches oder Wiener Modell, gespielt, die aber ein sehr großes Klangvolumen hatten und mit der Begeisterung für Alte Musik jetzt auch wieder gespielt werden.

Berühmte, unbekannte Gitarristen: Johann Nepomuk Hummel

Johann Nepomuk Hummel (1778 Pressburg – 1837 Weimar) ist vor allem durch seine Kompositionen für Klavier bekannt geworden. Er war in seiner Zeit einer der besten Klaviervirtuosen und erhielt u.a. Klavieruntericht von Mozart. Weit weniger bekannt ist, dass er auch auf der Gitarre virtuos spielte und mehrere Kompositionen für Ensembles mit Gitarre schrieb.

  • Große Serenaden für Klavier, Gitarre, Violine, Flöte/Cello, Klarinette/Fagott Op. 62,63 und 66
  • Sentinelle für Stimme (Tenor), Klavier, Gitarre, Violine  Op. 71.
    Wurde u.a. am 31.7.1832 im Gewandhaus in Leipzig in der Besetzung Carl Otto(Tenor), Clara Wieck(Klavier), Jan v. Bobrowicz (Gitarre), Friedrich Wilhelm Eichler (Violine) aufgeführt.

Hummel förderte in Wien auch die Laufbahn von Mauro Giuliani und trat mit ihm im Duo Klavier/Gitarre auf. Das Duo Halász (Franz Halász ist Professor für Gitarre in München) hat diese Tradition wieder aufgenommen u.a. mit Hammerklavier. Franz Halász spielt dabei mit einem Nachbau einer Gitarre aus der Zeit, die klanglich auch im Konzertsaal hervorragend mit dem Hammerklavier mithalten kann. Eine CD gibt es mit Stücken von Carulli, Beispiel im Web (Leo Brouwer)

Die Qual der Saitenwahl – Nylon oder Carbon

Auf dem Markt gibt es heute so viel verschiedene Angebote an Saiten, dass die meisten Spieler sich meist auf eine bestimmte Marke und Typ von Saiten beschränken. Allenfalls probiert man einige andere Saiten aus, gibt dann aber schnell auf, da man eigentlich nicht so richtig weiß, worauf man alles achten sollte.

Im Aufsatz von Karl JungerDie heutigen Diskantsaiten der Klassischen Gitarre  ihre Klangfarbe und Spielbarkeit“  findet man  gute physikalische und musikalische Hinweise, wie man speziell die Diskantsaiten der Gitarre beurteilen kann. Damit kann man für sich die “richtigen” Saiten aussuchen.

Nachdem ich mich eigentlich jahrzehntelang mit zu harten Saiten gequält habe, die schwierig zu spielen sind, spiele ich heute am liebsten mit Saiten möglichst gleichmäßiger mittlerer Spannung (5 kp) und einer Carbon G-Saite. Die h und e Saite sind dabei konventionelle blanke Nylonsaiten. Im Artikel von Karl Junger findet man die rationalen Gründe, warum das eine günstige Kombination ist. Wenn man weiß was man will, kann man die Wunschsaiten zu vernünftigen Preisen von einer Saitenmanufaktur beziehen und das alte Handwerk des Saitenmachers vor dem Aussterben bewahren.

Musiksaiten Dr. Junger

Lenzner Saitenmanufaktur

Neue Musik für Gitarre von Helmut Lachenmann

Die Komposition von Helmut  Lachenmann   Salut für Cauldwell – Musik für zwei Gitarren von 1977 ist einer der Klassiker der modernen Gitarrenmusik. Leider hört man das Stück äusserst selten. Hier zwei Aufnahmen auf YouTube
Sehr gute Tonaufnahme   (Wilhelm Bruck, Theodor Ross)   Eugenio Becherucci (mit Video)

Ein scönes Beispiel wie man diese Musik unterschiedlich interpretieren kann.

Noten Salut für Cauldwell von Helmut Lachenmann

Lautenlieder von Frank Wedekind für Gitarrenlaute

Lautenlieder Frank WedekindOriginalliteratur für Gitarrenlaute ist wohl äußerst schwer zu finden, weil die billige Gitarrenlaute wohl meist für die Liedbegleitung genutzt wurde. Die Lautenlieder, die Frank Wedekind in den Kneipen und Cabarets vor allem in München um 1900 sang, gibt es aber antiquarisch mit einer recht einfachen Begleitung. Frank Wedekind hatte wahrlich ein bewegtes Leben und war das große Vorbild von Bertolt Brecht in den frühen Jahren. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass man für die eigentlich recht harmlosen Protestlieder damals im Deutschen Kaiserreich ins Gefängnis kam. Frank Wedekind (Benjamin Franklin Wedekind) hatte einen amerikanischen Pass und erlebt zur Zeit wieder eine kleine Renaissance. Lulu war schon immer ein Renner und sein Jugendstück “Frühlingserwachen” wird wieder von Schauspielgruppen an Schulen aufgeführt. Am Staatstheater Stuttgart steht es 2011 wieder auf dem Spielplan.

Leider findet bei der modernen Ausbildung von klassischen Gitarristen das Thema Lied und Begleitung keine Beachtung mehr. Damit geht eine wichtige historische Basis des Gitarren- und Lautenspiels der klassischen Gitarre  verloren. Das Erbe wird dann wohl nur noch von den Rock- und Popgitarristen gepflegt.